Budapest - Greg Bites Reality

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Magyárországon

Ich bin viel mit den ?ffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.
?brigens ohne Fahrschein! Lohnt sich nicht.
Schwarzfahren kostet hier 2000 Forint (ca. 8 Euro). Bis jetzt wurde ich in Bus&Bahn innerhalb von 3 Monaten nur zweimal kontrolliert. Da lohnt es sich, auf die Monatskarte zu verzichten.

Aber das ist nicht das Thema.

Jeder kennt doch die Floskel:
?Zeig mir die Leute, die in Deinem Bus sitzen und ich sag Dir wo Du wohnst.?

Im Winter haben die Ungarn meist tiefe Furchen im Gesicht und braun-matschige Augenringe. Ein fr?hliches Volk sind sie wirklich nicht. Zumindest nicht im Alltag.
Letztens bin ich im Bus gestolpert und habe mich galant aufs Knie gelegt. Ich selber habe laut ?ber mich gelacht, wie trottelig ich doch bin.
Mit Blick in den voll besetzten Bus, sah ich aber weder am?sierte, noch betroffene Gesichter.
Jeder schaute teilnahmslos aus dem Fenster oder auf den Boden.
Ich hab ja keine LaOla-Welle oder ne Herzlungenmassage erwartet, aber diese ?Leck-mich-am-Arsch-Haltung? fand ich seltsam.
Damit m?chte ich nicht ausdr?cken, dass die Ungarn unfreundlich oder nicht hilfsbereit sind, nein, nein,..eher ist dieses V?lkchen umh?llt von einem grauen Schleier.
Das Wetter ist im Winter ungem?tlich, das Stadtbild sch?n, aber mittlerweile morbide.
Die Schere zwischen arm und ich reich ist wie in allen postkommunistischen Staaten gro?.
Die sozial Schwachen st?rzen sich in den Suff und werden apathisch, ja depressiv. Fr?her sorgte der Staat f?r die Unterschicht mit Jobs wie Rolltreppen-W?chter oder Stempelkissen-Anfeuchter.
Aber das hat sich ge?ndert.

Ungarn ist das Land mit der h?chsten Selbstmordrate und dem prozentual h?chsten Anteil an Psychisch- und Alkoholkranken in Europa.
Wenn ich morgens im vollkommen ?berf?llten Bus stehe, kriege ich mindestens eine Alkoholfahne in meine fein justierte Nase gehaucht. Dem Zinken entgeht kein Duft!

Manchmal frage ich mich, ob es unversch?mt ist, sich trotzdem hier sehr gut zu f?hlen.
Am K?lvin t?r ist eine sehr gechillte Bar. Cha cha cha. Jeden Tag legt ein DJ ambienten Hip Hop oder seichte Elektro-Kl?nge auf. Wir fl?zen uns in die aus Jeans bestickten Sofas und schauen aus dem Fenster, wo sich Obdachlose im U-Bahnschacht auf abgewichsten Matratzen mit billigem Fusel und Klebstoff zudr?hnen.

Die pessimistische Grundhaltung und das niedrige Selbstwertgef?hl haben die jungen Menschen ?bernommen.
Aber sie st?rzen sich mit einem neugierigen Elan in die globalisierte Welt.
W?hrend wir nur ?ber die vollkommen aufgebl?hte EU schimpfen, ist es f?r Ungarn die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Budapest w?chst und bl?ht langsam auf. Es ist toll zu sp?ren - ein Europa - zu sein.

Ich habe schon einige Ungarn als Freunde.
Wenn man sich nicht nur mit den Spacken von Medizinern herumtreibt, lernt man schnell Ungarn kennen. Und auch ihren spitzfindigen dezenter Humor. Oder Sarkasmus.
Der Ungar lacht gerne, aber erst nach ein paar Gl?sern Wein, Bier oder Unicum (J?germeister).
Dann wird getanzt und gefeiert, am liebsten zu Musik aus Britannien.

Man sagt ja auch, die ungarischen Frauen w?ren die besten der Welt.
Das stimmt so nicht.
Die sch?nsten Frauen leben immer noch an der Copacabana und in Borbeck.

Aber wenn man sich durch den Wust der vom Weltschmerz zerfressenen Tanten ?ber 40 gek?mpft hat, entdeckt man des ?fteren einen osteurop?ischen Rohdiamanten.
Man denkt: ?Alter Schwede, eine Sexg?ttin,...wenn sie nicht dieses alberne Dolce Gabbana-Imitat tragen w?rde!?

Was haben die Menschen eigentlich mit diesem G&B-Kram.
Ich find, kein Fummel von diesen zugekoksten Modedesignerspacken ist mehr wert als meine Blue Jeans, gestickt von 13-J?hrigen aus Taiwan.

Am Freitag waren Lennart, Alex und ich beim Viktor eingeladen. Total netter Ungar mit einer fetten Plattensammlung und einem Faible f?r englischen Fu?ball.
Seine Theorie ?ber die Gesamtsituation ist eine vollkommen andere:
W?hrend die Deutschen nach dem Wunder von Bern 1954 glorreich die Fu?ball-Weltmeisterschaft an sich rissen, st?rzten die Ungarn in ein tiefes Loch.
Ein Trauma, was sie auch heute wohl noch nicht ablegen k?nnen.

Viktor meint, es w?rde sich einiges ?ndern, wenn die Magyaren bald die Wasserball-Weltmeisterschaft der Damen gewinnen.

Ich dr?cke die Daumen !


P.S.: H?rt mehr Calexico.
6.2.06 12:42





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