Budapest - Greg Bites Reality

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Karrramba Karrracho!

Kennt jemand das Lied von Heino „Karamba, Karacho, ein Whisky“?
Konnte heute seit langem mal wieder ausschlafen und als ich mir um 13 Uhr Frühstück gemacht habe, ging mir dieser Gassenhauer nicht mehr aus dem Kopf.
Eine kleine Kostprobe gefällig ? Meine Nachbarn müssten es heute mittlerweile auch schon kennen.

Ja, ich bin gut drauf!
Gestern habe ich die zweite Hammerprüfung in diesem Semester überstanden und kann gar nicht mehr aufhören, mir ständig selbst auf die Schulter zu klopfen.
Bei vielen ist die Neuroanatomie gefürchtet, aber ich muss gestehen, dass sie mir schon fast Spaß gemacht hat. Ich glaube begriffen zu haben, wie Bewegungsabläufe, Schmerz und und Emotionen entstehen.
Kaum zu glauben, dass das alles nur passiert, weil ein paar chemische Botenstoffe oder Millivolt wenige Centimeter von Hirnlappen zu Hirnlappen wandern.

Leider konnte ich ja nur 5 Tage über die Feiertage in Deutschland bleiben, aber dafür habe ich jetzt den verdienten Lohn für den Stress eingefahren. Martin und ich haben uns bei mir eingeschlossen, kaum das Tageslicht gesehen (es wird ja schon um 16 Uhr dunkel!) und uns fast ausschließlich von Fast Food ernährt. Dabei haben wir uns den Themenkatalog mit den 90 Punkten um die Ohren gehauen.

Nun, jetzt habe ich Physiologie und Neuroanatomie bestanden und habe jetzt noch 12 Tage Zeit, Biochemie zu lernen. Und selbst wenn ich da einmal durchfallen würde, schaffe ich es bis zum 30. Januar zum Achtelfinalspiel von den Roten gegen HSV!
Das ist meine Motivation.

-

Gestern haben Martin und ich verdientermaßen eine schöne Kneipentour gemacht.
An einem Montag !!! Ich habe nicht erwartet, dass in den Läden viel los sein wird, aber die Ungarn haben mich mal wieder überrascht.
Martin ist ein guter Kumpel, hat vorher in Münster 3 Semester Philosophie studiert. Also hat er wie ich erst einen Umweg der Selbstfindung hinter sich. Wir haben viele Gemeinsamkeiten.
Ich wollte unbedingt mit ihm in diese „Ich trinke nur Latte Macchiato, damit der Schaum in meinem Nietzschebart hängenbleibt“-Bar gehen, wo sich Kunsthistoriker und Sozialwissenschaftler über eklezistische Architektur des Gulaschsurrealismus von Übermorgen unterhalten.
Milieustudien und Realsatire fand ich immer schon klasse.

Aber dass sich die Gäste an einem Montagabend konsequent mit Rotwein begießen, hätte ich nicht erwartet. Es war ein reges Treiben in der dreistöckigen Sirály-Bar und wir hatten Probleme einen Platz zu ergattern.
Martin und ich waren glaube ich die ersten, die sich zwei große „Korsó“ (also große Biere) bestellten. Bier gilt immer noch als ein Getränk der Deutschen (damit sind aber auch die Österreicher gemeint). Wie uns später ein Anthropologiestudent erklärte, ist es seit 1848 bei den Ungarn verpöhnt, mit Bier anzustoßen.Das hat mit der ungarischen Freiheitsbewegung zu tun, die sich von den Habsburger versuchten abzusetzen. Als die Habsburger dann 1849 viele ungarische Freiheitskämpfer hinrichteten, prosteten sich jene mit ihren großen königlichen Bierkrügen zu. Somit enstand die Legende und es war ein Zeichen von Ablehnung gegenüber „den Deutschen“ mit Bier anzustoßen.
Angeblich sollte diese Regel aber nur 150 Jahre lang gelten, sodass seit 1999 wieder anständig geprostet werden darf.
Kaum zu glauben, wie oft wir in den letzten 2 Jahren die stolze Seele des nach Unabhängigkeit strebenden Ungarn verletzt haben müssen.
Ein Wunder, dass wir noch nicht aus dem Land gewiesen wurden…

Nach einer so großen Ansammlung von Rauschebärten, Korthosen und Schöngeistern zog es uns in den etwas alternativeren Indoor-Biergarten „Kuplung“, wo man bei tschechischem Bier Ping Pong spielt.
Es entwickelte sich ein packendes Match zwischen Timo Boll und Jörg Roßkopf, was ich mit 3:2 Sätzen für mich entscheiden konnte. Martin aka Timo Boll versuchte durch seine in Fernost angeeignete Schnibbelangabe meinen Bratpfannen-Schmetterbällen zu entgehen, die ich auf Borbecker Betonplatten erlernt hatte.

Somit gingen die nächsten 2 Runden beim Thekensport an Martin.

Ich sonnte mich in meinem sagenhaften Triumph bei ungarischer Folkmusik mit Geigen & Kontrabass im „Szimpla kért“, wo auch um 1:30 Uhr noch jeder Platz besetzt war.
Es war ein wunderschöner Absacker.
Wir beobachteten das rege Nachtleben mit Klängen ungarischer Bauernmusik im Ohr und ich schmeckte den süßlichsauren Geschmack von Paprika und Salamimettwurst auf der Zunge. Oder war es doch der Honig-Pfirsich-Pálinka?
Jetzt war es an der Zeit für Martins 5 Minuten.
Er hat ein Jahr in einer irischen Hippiekommune gelebt, um behinderte Kinder zu betreuen. Ich hörte nur noch Fetzen wie „Das klingt wie irischer Folk …. Ich muss tanzen….Wie früher“. Er stürzte sich auf die mit 3 Leuten besetzte Tanzfläche und bewegte sich spastisch zum Gedudel.
Es war herrlich anzuschauen.

Irgendwann haben wir dann beide eingesehen, dass es besser sei, nach Hause zu gehen.
Unsere unkoordinierten Schussversuche am Kickertisch gegen zwei Austauschstudentinnen aus Ecuador waren das Zeichen, die Segel zu streichen.
Man sollte ja auch nichts überstürzen an einem Montagabend…

Der Fussweg nach Hause gestaltete sich recht zünftig, denn „Heinos größte Erfolge“ auf meinem MP3-Player bereiteten mir viel Freude.
Es ist erfreulich (oder doch schockierend) wieviele Lieder man von Heino mitsingen kann.

In Rio de Janeiro
In einer klitzekleinen Hafenbar
Saß ein braungebrannter Gaucho
Mit schwarzbraunem Haar
Und um Dolores zu vergessen
Die seine Liebste war gewesen
Sprach er zu Don Philippo
Dem alten Spelunkenwirt

Hey, hey
Karamba, Karacho, ein Whisky
Karamba, Karacho, ein Gin
Verflucht, sacramento, Dolores
Und alles ist wieder hin
Hey, hey
Karamba, Karacho, ein Whisky
Karamba, Karacho, ein Gin
Verflucht, sacramento, Dolores
Und alles ist wieder hin



P.S.: Wundert euch nicht, dass ich immer nur die lustigen Partygeschichten erzähle. Es ist nicht so, als würden wir hier 4 Tage in der Woche feiern.
Die öden, schwerfälligen Lernphasen interessieren doch eh niemanden, darum erzähle ich lieber von den ausgelassenen Momenten in Budapest.
9.1.08 11:51





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